Sponsoren-Übermacht?

von | Erstellt am Samstag, 22.08.2015, 12:26 | Kategorien: Dies und das

Große Oldtimer-Veranstaltungen wie die Mille Miglia, der Oldtimer-Grandprix am Nürburgring, die Classic Days auf Schloss Dyck oder die Schloss Bensberg Classics sind nur mit Sponsorengeldern möglich. Müssten sie über Eintrittsgelder oder Standmieten von Austellern finanziert werden, wären sie nicht durchführbar, weil die Preise so hoch sein müssten, dass kaum jemand teilnehmen würde.

Die Sponsoren versuchen natürlich, ihre Produkte mehr und mehr in den Vordergrund stellen, um einen Gegenwert zu den Sponsoring-Aufwendungen zu bekommen. Das ist sicherlich verständlich und auch legitim. Trotzdem besteht eine gewisse Gefahr darin, dass die Produktwerbung überhamd nimmt und den eigentlichen Anlass der Veranstaltung in den Hintergrund drängt.

Dass bei den Classic Days auf Schloss Dyck die Sponsoren mit extra großer Ausstellungsfläche vertreten sind und auf der Rennstecke nicht nur die Oldtimer der Marke, sondern auch Fahrzeuge aus dem laufenden Programm präsentiert werden, ist verständlich und steht auch in einem ausgewogenen Verhältnis zum Gesamtprogramm. Noch zurückhaltender ist der AvD, der als Sponsor der Oldtimer Grand Prox auf dem Nürburgring zwar mit einem Zelt im Fahrerlager und einer VIP-Lounge an der Boxengasse verteten ist, aber in dem ihm eigenen Understatement kaum auffalender als andere in Erscheinung tritt.

Mille MIglia Teilnehmer berichten aber, dass manche Autohersteller für ein teilnehmendes Fahrzeug einen ganzen Tross von Begleitfahrzeugen mit auf die Strecke schicken, die unter anderem auch die verdeckt gehalten Aufgabe haben, das oder die Fahrzeuge der eigenen Marke nach hinten abzuschotten und so davor zu schützen, von anderen Teilnehmern überholt zu werden. Eine andere, unschöne Entwicklung ist die lokale Trennung der normalen, d.h. zahlenden Teilnehmern von den meist Prominenten, die auf Einladung der Sponsoren kostenlos mitfahren. Während die zahlenden Teilnehmer in einfacheren Hotels wohnen und ebenso einfacheren Restaurants essen, werden die Prominenten in Edelherbergen untergebracht sowie in Edelrestaurants beköstigt und so von den "normalen" Teilnehmern getrennt. Das stößt auf Unmut unter denen, die immerhin 4- bis 5-stellige Eurobeträge für die Teilnahme berappen, dann aber wie Teilnehmer zweiter Klasse behandelt werden.

"Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird", heißt es ein einem Sprichwort. Aber darf das so weit gehen, dass ein Teilnehmer des Concours d'Élégance auf Schloss Bensberg seinen wunderschönen Lancia Astura Cabriolet Bj. 1939 nicht auf der Siegerliste wiederfindet, weil es kein Fahrzeug aus dem Konzern des Hauptsponsors VW Group war?

Ich meine: Nein! Eine als unabhängig vorgestellte Jury muss auch die Freiheit haben, objektiv zu entscheiden. Und die Einflussnahme eines Sponsors darf nicht so weit gehen, dass die Entscheidung der Jury "gelenkt" wird. Das ist eine Tendenz, die solch schöne Veranstaltngen wie die Schloss Bensberg Classics irgendwann ad absurdum führen werden.

Gert Meyer-Jüres

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