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21.04.2010

Bayern und der Böhmer Wald

Für die Erkundung des böhmischen Waldes haben wir den niederbayerischen Ort Zwiesel als Ausgangsbasis gewählt. In der dortigen Anger Residenz sind wir bereits seit gestern Abend verwöhnt worden und machen uns nun auf den Weg zu unserer Tour. Über gut ausgebaute Pisten nähern wir uns zunächst der tschechischen Grenze. Unsere Tour wird uns also durch zwei Länder führen. Dominiert wird die Fahrt hüben wie drüben aber nur durch eines: den immergrünen Wald.

Nach ungefähr 45 km erreichen wir den Wallfahrtsort Neukirchen und bewegen uns von hier aus parallel zu deutsch-tschechischen Grenze nordwestlich durch den Bayerischen Wald. Diesseits der Grenze ist der Wald noch ziemlich licht. Offene Felder lassen immer wieder zwischen Bäumen einen weiten Blick zu. Dieser verliert sich im weiten, hügeligen Land, das immer wieder für kleine Ortschaften Platz macht. Der Oldtimer liegt gut auf der leicht welligen Straße, und die langgezogenen Kurven bringen echten Fahrspaß. So lassen wir 70 km schnell hinter uns und passieren bei Waidhaus die Grenze, um uns in Tschechien weiter in den grünen Tiefen zu verlieren.

Verschlafen romantische Fahrt durchs Grün

Denn hier ist der Wald noch ein richtiger Wald. Nach 13 wildgrünen Kilometern erreichen wir das Städtchen Primda mit der gleichnamigen Burgruine. Einst war die Burg eine wichtige Durchgangsstation auf dem Weg von Nürnberg nach Prag. Und noch heute wirkt die Ruine mit dem verschlafenen Ort am ihrem Fuße wie ein friedlicher Ort zum Verweilen. Wir genießen die tiefgrüne Ruhe und spazieren durch den romantischen Ort unterhalb der alten Burg. Nach einem kurzen, aber intensiven Eindruck beschließen wir, weiter zu fahren in Richtung Smolov. Mittlerweile befinden wir uns auf über 700 Meter über NN, und das beinahe schon bergige Panorama hält einige fahrerisch ansprechende Rampen bereit.

Immer wieder weichen die dichten Äste und Zweige jenseits der Fahrbahn plötzlich zurück und geben den Blick auf kleine Siedlungen frei. Dann kann man auch der Sonne ins Gesicht sehen, die sonst nur hier und da durch das grüne Dach hindurch strahlt. Kurve um Kurve bahnt sich der Oldtimer seinen Weg durch den Böhmerwald. Nach knapp 80 km, die wir staunend ob der Natur vor den Fenstern gerne noch verlängert hätten, wird der Wald wieder lichter und die ersten Schornsteine kündigen städtisches Gebiet an – in diesem Falle ist es die Großstadt Pilsen.

Auf ein gutes Pils in Pilsen

In Pilsen machen wir Station und besichtigen die große Synagoge. Diese heißt übrigens nicht nur so, sie ist wirklich sehr groß. Immerhin ist sie die drittgrößte Synagoge der Welt. Erst vor knapp 15 Jahren komplett renoviert, erstrahlt das ehrwürdige Bauwerk in neuem Glanz und wird heutzutage vielfältig genutzt. Nach diesem Gang begeben wir uns in das Hotel Golden Fish, um im dortigen Restaurant zu speisen. Das Pilsener Rindfleisch ist einfach exzellent. Und was könnte dazu besser passen, als ein Pils frisch vom Fass? Natürlich gönnen sich nur die Beifahrer ein Exemplar böhmischer Braukunst zur geschmacklichen Untermalung des dunklen Rindfleisches, dannn setzen wir die Fahrt fort.

Kurz hinter den Toren Pilsens erblicken wir zu unserer rechten den gigantischen Stausee Ceske Udoli. Am Ufer des beliebten Naherholungsgebietes der Pilsener spazieren wir gemächlich eine Weile entlang und beobachten einige Kanuten beim Training für die Ausfahrten in den Flüssen nördlich von hier, im Erzgebirge.

Unsere Ausfahrt führt uns wieder zurück in Richtung deutsche Grenze. Ungefähr 100 km haben wir von hier aus noch bis Zwiesel zurückzulegen. Dabei dauert es eine ganze Weile, bis wir wieder die dichten, grünen Wälder erblicken, die uns in Tschechien so begeistert haben. Zuvor legen wir noch einen letzten kurzen Halt am Wasserschloss Schwihau in der Nähe von U Nadrazi ein. Das Schloss war einst von gewaltigen Maueranlagen umgeben, wie uns die immer noch imposanten Überreste, die wir auf unserem kurzen Rundgang erblicken, verraten. Beeindruckt verlassen wir das Schloss und die es umgebende Felderlandschaft und tauchen wieder in den Böhmerwald ein. Bis weit nach der Grenze begleiten uns die dichten Bäume – bis wir schließlich wieder in der Anger Residenz angelangt sind.

Fazit: Eine fahrerisch intensive Tour über 330 km in den Wäldern Ostbayerns und Böhmens liegt hinter uns. Die melancholische Ruhe der kleinen tschechischen Ortschaften im tiefgrünen Meer des Böhmerwalds hat uns begeistert. Oldtimertouren durch die Tschechische Republik sind immer noch ein Geheimtipp.Lange werden sie dies aber nicht mehr sein, denn die Landschaft ist für eine solche Tour wie geschaffen: Eine Waldtour im deutsch-tschechischen Grenzgebiet, die wir jedem empfehlen können, der seinen Oldtimer gerne ausfährt.

Ihre Tour auf einen Blick:

Michael Wahl

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