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21.11.2012

Bugatti 41 "Royale", die Autolegende

Von diesem Luxusauto sind zwischen 1927 und 1933 ein Prototyp, der später zum Coupé umgebaut wurde, sowie fünf Serienfahrzeuge mit unterschiedlichen Aufbauten, insgesamt also 6 Stück hergestellt worden. Erfreulicherweise sind alle noch erhalten, und es haben sich sogar ein siebtes und ein achtes Stück dazu gesellt. Wie kann das sein? Dem wollten wir auf den Grund gehen!

Die Geschichte des Bugatti 41 begann schon am 11. April 1913, als Ettore Bugatti seinem Freund Dr. Espanet schrieb, dass er ein Luxusfahrzeug ohnegleichen mit einem Hubraum von 9,4 Litern bauen wolle. Erst 14 Jahre später tauchte Ettore dann 1927 mit dem Protoyp beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring auf, zunächst zu Testzwecken noch mit einer offenen, aus Zeitgründen von Packard zugekauften Karosserie. Der 8 Zylinder-Motor hatte einen Hubraum von 14,7 Litern und war eigentlich die Hälfte des 16 Zylinder-Flugzeugmotors Typ 34, den Bugatti 1922/23 für den französischen Staat entworfen hatte. Dieser Prototyp wurde 1931 bei einem Unfall zerstört, aber auf dem Chassis 41100 (die ersten beiden Ziffern stehen für die Serie 41) wurde mit Original-Teilen eine neue, von Jean Bugatti entworfene Karosserie als Bugatti 41 Coupé (auch "Coupé Napoléon" genannt) aufgebaut. Das Auto ist heute in der Cité de l'Automobile Collection Schlumpf, Mulhouse, Frankreich, ausgestellt.

König Alphonso XIII von Spanien hatte einen solchen Bugatti schon mündlich bestellt und ihm so den Beinamen "Royale" verliehen. Bevor es zur schriftlichen Bestellung kam, verlor er aber den Thron - und Bugatti den Auftrag. Nur der Beiname "Royale" blieb, der also nicht -wie viele meinen- Bestandteil der Typenbezeichnung, sondern vielmehr ein Synonym für diese Serie ist.

Dieser erste Bugatti ist der Einzige mit einer Kühlerfigur geblieben, einem tanzenden Elefant. Ettore Bugatti wollte damit sowohl die "Emily" von Rolls Royce persiflieren als auch das Gedenken an seinen jüngeren Bruder Rembrand aufrecht erhalten, der den Elefant entworfen, sich aber 1916 das Leben genommen hatte.

Der zweite Bugatti 41 war der erste reguläre Serien-Bugatti 41 "Royale" mit der Chassis-Nr. 41111 und verließ 1930 als Limousine das Werk. Der französische Textil-Industrielle Armand Esders leistete im Oktober 1931 eine Anzahlung von 200.000 FF auf den Gesamtpreis von 700.000 FF, damit die Limousine als Bugatti 41 Cabriolet-Esders umgebaut wurde. Am 04.04.1932 wurde es in der von Jean Bugatti entworfenen Form an ihn übergeben. Monsieur Esders hatte das Fahrzeug ohne Scheinwerfer bestellt, da sie seiner Ansicht nach die optische Linie des Fahrzeugs störten und er bei Dunkelheit sowieso nicht fuhr. Bugatti lieferte die Scheinwerfer aus Sicherheitsgründen trotzdem mit, konstruierte sie aber abnehmbar und verstaute sie bei Auslieferung in einem eigens dafür im Kofferraum eingerichteten Fach. 1938 verkaufte Esders das Cabriolet, und es erhielt bei Binder in Paris eine neue Bugatti 41 Coupé de Ville-Karosserie im Stil des Coupé/Prototyp ("Coupé Napoléon").

1990 wurde das "Cabriolet Esders" aus Original-Bugatti-Teilen nachgebaut. Der Nachbau steht heute neben 2 anderen, echten 41 Royale im Museum Schlumpf in Mulhouse, Frankreich. Und hier hatte dann auch die "wunderbare Autovermehrung" ihren Ursprung: Das "Cabriolet Esders" ist zwar aus Original-Teilen gefertigt, wie dort zu lesen ist, aber eben doch ein Nachbau. Über die Chassis-Nummer dieses Nachbaus ist nichts Konkretes zu erfahren. In einer Information der Collection Schlumpf heißt etwas irreführend: "... eben jener erste ausgelieferte Bugatti 41 befindet sich hier vor Ihnen...". Tatsächlich ist das Original-Chassis Nr. 41111 mit der oben erwähnten Karosserie als "Coupé de Ville" 2012 noch existent und im Besitz von VW.

Was ist aus den anderen Bugatti 41 geworden? Den dritten kaufte 1932 der Nürnberger Gynäkologe Dr. Josef Fuchs, der das Chassis Nr. 41121 vom Münchner Karosseriebauer Weinberger als Bugatti 41 Roadster aufbauen ließ. Dr. Fuchs schuf sich mit dem Auto jedoch vor allem viele Neider. Obwohl er vermutlich kein Jude war, trieben ihn die Nazis außer Landes, indem sie ihm die Ausübung seines Berufes in Deutschland verboten. Über die Schweiz und Shanghai zog er samt seinem Bugatti 41 Roadster nach New York, doch auch dort hinderten ihn die Behörden an der Ausübung seiner ärztlichen Kunst. Er verarmte, der Bugatti endete mit einem bei Frost geplatzten Motor bei einem Schrotthändler, wo ihn schließlich ein GM-Manager fand. Der ließ ihn restaurieren und fuhr ihn, bis er ihn letztendlich dem Henry Ford Museum in Dearborn schenkte, wo das Auto heute noch zu besichtigen ist.

Das Fahrgestell Nr. 41131 wurde 1933 als vierter Bugatti 41 von dem Engländer Forster gekauft, der ihn als 4-türige Limousine von Londons berühmtesten Karosseriebauer zum Bugatti 41 Limousine Park Ward aufbauen ließ. Später erwarb ein Amerikaner namens Shakespeare das Auto und durchquerte damit die Vereinigten Staaten von Norden nach Süden ohne jegliche Probleme. Auch dieses Auto steht heute im Schlumpf-Museum in Mulhouse.

Der fünfte Bugatti 41 "Royale" war Bugattis zweiter Familienwagen, ein Bugatti 41 Coupé Kellner (Chassis-Nr. 41141). Das Fahrzeug soll inzwischen in Venezuela beheimatet sein.

Der letzte von insgesamt 6 Bugatti 41 ist das 4-türige Modell Bugatti 41 Berline de Voyage mit der Chassis Nr. 41150. Es befindet sich 2012 im Besitz von Ex-Samsung-Chef Lee.

Zusammen mit dem Nachbau des zweiten Bugatti 41 zählen wir also bisher 7 Stück, die heute bekannt sind. Doch auch im Technik Museum Sinsheim ist ein "Bugatti 41 Le Patron Napoleon" zu besichtigen, also Exemplar Nr. 8. Dort ist jedoch auf der Begleittafel zu lesen, dass es sich um einen Nachbau handelt, der für den französischen Kinofilm "Rebus" angefertigt wurde. Vorbild war Bugatti Nr. 2 nach seinem 1938 erfolgten Umbau in ein "Coupe Napoléon".

Selbst bei einem so außergewöhnlichen Auto wie dem Bugatti 41 "Royale" ist es erstaunlich, dass alle 6 Exemplare Notzeiten und Kriegswirren überstanden haben und heute noch bewundert werden können. Hieran haben die Gebrüder Schlumpf, die die weltweit größte Bugatti-Sammlung zusammengekauft und für ihre Sammler-Leidenschaft sogar den Untergang des eigenen Unternehmens in Kauf genommen haben, einen wesentlichen Anteil. Zum Glück hat der Französische Staat die einzigartige Sammlung erhalten und in die "Cité de l'Automobile Collection Schlumpf" umgewandelt. Dort sind also noch heute zwei echte Bugatti 41 "Royale" und der Nachbau des "Cabriolet-Esders" zu sehen.

(Quellen: Bugatti-Info Schloss Bensberg Classics 2009, Info der Cité de l'Automobile Collection Schlumpf bei den Schloss Dyck Classic Days 2010, Autobild Klassik 7/2012)

Gert Meyer-Jüres

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