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12.02.2014

Claus F. Mirbach

Der erste deutsche Oldtimerhändler

Wir schreiben das Jahr 1958. Im zarten Alter von 21 Jahren reist Claus F. Mirbach auf der Suche nach Fotomotiven nach Südfrankreich. In Nizza fällt ihm ein Schrott-Bugatti auf, für den niemand auch nur ein Auge übrig hat. Fast 15 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gilt das Interesse für Autos ausschließlich den neuen, schicken Sportwagen und Limousinen. Anders ist es bei Claus Mirbach: er kauft den jämmerlich aussehenden Bugatti für 500 DM, macht ihn fahrbereit, nimmt ihn mit zurück nach Hamburg, schraubt ein wenig daran herum und verkauft ihn für 3.500 DM weiter. Der erste Oldtimer-Deal ist perfekt!

Fotos:
  • Nr. 1 von rechts nach links: Britta Mirbach, Claus F. Mirbach
  • Nr. 12 von rechts nach links: Britta Mirbach, Claus F. Mirbach, Gert Meyer-Jüres
  • Claus Mirbach, der im Hauptberuf erfolgreicher Opel-Verkäufer ist und als einen seiner ersten Verkaufserfolge schon Prominente wie James Last überzeugen konnte, hat eine Marktnische gefunden und kümmert sich von nun an verstärkt um alte Autos, die damals zunächst niemand mehr haben will. Aber schon bald macht er sich einen Namen als Kenner der Szene, so dass ihn auch große Autohändler wie zum Beispiel Auto-Becker in Düsseldorf zu Rate ziehen, wenn es um vermeintlich nur noch für das Verschrotten geeignete Fahrzeuge geht. Bald reift die Erkenntnis, dass nicht alles, was vor dem Krieg gebaut wurde, unbedingt nur altes Eisen ist, sondern dass man mit ein bisschen Liebe zum Aufarbeiten wertvolle Erinnerungen an die "gute alte Zeit" wachrufen und auch gutes neues Geld damit verdienen kann.

    Fast 30 Jahre später ist die Fa. C.F. Mirbach zum einem der bedeutendsten Oldtimer-Händler Deutschlands geworden. 1987 ergab sich die Möglichkeit, in Mölln eine nicht mehr benötigte Halle des früheren Landmaschinenhandels Warncke zu kaufen. Der Gedanke, nicht nur mit Oldtimern zu handeln, sondern sie auch selbst zu restaurieren, reizte Claus Mirbach. Zusammen mit seinem Werkstattleiter Tim Kampschulte setzte er seinen Wunsch in die Tat um. Neben Spenglern, Blechnern, Motorspezialisten und einem dänischen Produktdesigner schraubten auch Kunden an ihren eigenen Fahrzeugen mit, und beim täglich gemeinsamen Mittagessen bei Claus Mirbach zu Hause wurden in fröhlicher Runde wichtige Erfahrungen ausgetauscht. So entstand die Resaturationswerkstatt "MIKA" (MI für MIrbach, KA für KAmpschulte) mit familiärem Flair. Die Kunden wurden zu großen Rallyes wie der Mille Miglia oder der Eisrallye begleitet und dort mit Fachwissen unterstützt Und betreut. Das machte noch mehr Spaß als der bloße Handel, deshalb verkaufte Claus Mirbach 1987 die Hamburger Firma C. F. Mirbach an Stefan Luftschitz, den er als einen seiner Kunden kennengelernt hatte.

    Der Restaurationsbetrieb fand großen Anklang und wuchs schnell. 1989 konnte ein benachbartes, schönes altes Eisenbahngebäude dazu gekauft werden, so dass genug Platz für die weitere Expansion vorhanden war. Sehr gut entwickelte sich auch der Export nach Skandinavien, wobei die Kunden aus diesen Ländern schon damals ein zwar fahrbereites, aber unrestauriertes Fahrzeug einem "wie neu" aussehenden vorzogen. Sie haben den Trend, der sich hier und heute immer deutlicher abzeichnet, offenbar schon viel früher erkannt.

    Aber auch die Grenzöffnung zur früheren DDR machte das bisher eher abseits gelegene Zonenrandgebiet um Mölln touristisch attraktiver, selbst Berlin rückte plötzlich ohne die Beschränkungen der Zonengrenze scheinbar näher. In dieser Zeit verkaufte Mirbach als einträgliches Nebengeschäft massenweise Ladas und normale Gebrauchtwagen (also keine Oldtimer) in die frühere DDR. Es entstanden Kontakte in die damaligen Ostblockländer und damit neue Geschäftsanbahnungen. Eine der skurrilsten ergab sich 1993. Claus Mirbach hatte von einem Kompressor-Mercedes gehört, der in St. Petersburg versteck sein sollte. Er fuhr voller Spannung mit der Finnjet über die Ostsee und bekam über Mittelsmänner mit besten Beziehungen Kontakt zu einem russischen General. Der war angeblich im März 1942 bei der Eroberung des Kessels von Demjansk im Bezirk Nowgorod, bei dem die deutschen Soldaten bei einer überstürzten Verlegung des Hauptquartiers so einiges zurückgelassen hatten, in den Besitz des Autos gekommen. Der sorgsam in einer Scheune versteckte, vermeintliche "Kompressor" entpuppte sich als ganz normaler, aber stark herunter gekommener Mercedes 170 aus den 1940er Jahren, für den der "General" (wenn er wirklich einer war!) mindestens eine halbe Million Dollar haben wollte. Was ein "Kompressor-Mercedes" war und warum nicht für alle Mercedes so viel Geld erwartet werden konnte, das war den Russen wohl tatsächlich nicht bekannt und auch kaum verständlich zu machen. Aus dem erhofften Deal wurde dann verständlicherweise nichts.

    2002 wurde Claus F. Mirbach 65 Jahre alt, wollte ruhiger treten und mehr Zeit für sein Hobby, die Seefahrt haben. Er verkaufte die MIKA-Anteile an seine Mitarbeiter und schloss mit Stefan Luftschitz einen Teilzeit-Beratervertrag für seine alte Firma in Hamburg. Die wuchs mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter und verlegte ihren Schwerpunkt bald nach Gut Hitzelsberg am Chiemsee. Dann kam es aber 2010 zum Crash, und die gute alte Firma C. F. Mirbach kam in rauhe See. Die weitere Entwicklung ist in unserem Beitrag "Neustart für Mirbach" nachzulesen.

    Claus F. Mirbach wollte nun aber vermeiden, dass auch sein Name in Verruf geriet. Obwohl er nicht dazu verpflichtete gewesen wäre holte er sich das Einverständnis von Stefan Luftschitz, seinen Namen "Mirbach" wieder für eine neue Oldtimer-Handelsfirma zu verwenden, die er 2010 mit inzwischen stolzen 73 Jahren in Hamburg gründete. Daraus entstand die "claus mirbach feine mobile GmbH", die er heute zusammen mit seiner Frau Britta am Sorthmannsweg 20 in Hamburg führt. Es hat etwas gedauert, bis die alten Kontakte wiederbelebt waren, aber es hat funktioniert. Wie bei den meisten Oldtimerhändlern stehen in den Verkaufsräumen fast ausschließlich Kommissions-Fahrzeuge, so dass das Risiko überschaubar bleibt. Claus Mirbach bemüht sich, Fahrzeuge mit nachvollziehbarer Historie und guten Eckdaten zum Verkauf anzubieten.

    Auch Stefan Luftschitz kommt ab und zu am Sorthmannsweg auf einen Kaffee und eine gute Zigarre vorbei. Dann wird freundschaftlich über alles geredet, nur nicht übers Geschäft...

    Siehe hierzu auch Wolfgang Kurths Rezession des Buches "Vorfahrt für Oldtimer" von Claus F. Mirbach

    Gert Meyer-Jüres

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