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16.12.2012

Hinter den Scheunentoren Patagoniens

Kleines Oldtimer-Privatmuseum in Süd-Chile

Die Estancia Rio Penitente im Süden Chiles lädt zum Verweilen ein. 1891 hat der Schotte Alexander Morrisson die Farm gegründet und mit seiner Familie zu einer Perle der Landwirtschaft entwickelt. Noch heute befindet sie sich im Besitz der Familie. Urenkel John Dick erzählt die Familiengeschichte sowie die spannenden Veränderungen und notwendigen Anpassungen auf der Estancia – vor dem Hintergrund starker wirtschaftlicher und politischer Schwankungen – sehr anschaulich in seinem kleinen Museum.

Dort steht auch der familiäre Fahrzeugpark – von den Anfängen bis heute. Angefangen hat die Motorisierung mit einem Chevrolet Baufahr 1910. Es dürfte sich um einen der ersten Chevrolets überhaupt handeln, da die Firma Chevrolet erst am 03.11.1911 von Louis Chevrolet und William Durant gegründet wurde. Das Fahrzeug mit deutlichen Gebrauchspuren präsentiert sich fahrbereit nahezu im Originalzustand. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Federung, der bei täglichem Einsatz auf den endlosen Schotterwegen der Estancia viel abverlangt wurde. Der „Komfort“ konnte durch einen „Schockabsorber nach dem Clock-Prinzip“ justiert werden. Foto Nr. 5 zeigt den handgedrehten Keilriemen aus Leder! Das Benzin gelangte nach den Regeln der Schwerkraft zum Motor. So war der Tank am Heck höher als der Motor vorne angebracht. Das führte allerdings dazu, dass Steigungen rückwärts genommen werden mussten, wenn man nicht schieben wollte.

Der selbstgebaute rote Rennwagen aus dem Jahr 1955 stellt eine Hommage an den erfolgreichen Rennfahrer Juan Manuel Fangio (* 24. Juni 1911 in Balcarce; † 17. Juli 1995 in Buenos Aires) dar. Dieser wurde 1951 auf Alfa Romeo Typ 159 zum ersten Mal Weltmeister. 1954 wechselte Fangio zu Mercedes-Benz und blieb der Marke sowie seiner Heimat Argentinien auch dadurch innig verbunden, dass er ein Motorenwerk für das Stuttgarter Unternehmen in Argentinien aufbaute. Ab 1974 war er als Präsident der Mercedes-Benz Argentina S. A. tätig. Am 17. Juli 1995 starb Fangio in Buenos Aires im Alter von 84 Jahren.

Allerdings macht das rote Formel 1 Imitat optisch mehr her, als es mit seinem Motor aus einem – familieneigenen – Ford Modell T mit gestärkten 68 PS leisten konnte. Heute wird der Wagen von John Dick nur noch nachts im Verborgenen gestartet, „weil er so viel Krach macht und Feuer spuckt“.

Harald Heine

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