banner AvD
Banner des AVD - Automobilclub von Deutschland

12.06.2014

Modena Cento Ore 2014 abgebrochen

Wohin wird es gehen?

Wohin wird es gehen? Das hatten wir uns vor einem Jahr gefragt. Nur knapp 40 Teilnehmer, eine aufwändige Streckenführung, ein erlesenes Hotelerie- und Gastronomieangebot… aufgeteilt in Competition und Regularity – eigentlich gute Voraussetzungen für eine kleine aber erlesene Tour Auto in Italien. Nur wenn es für den Veranstalter nicht aufgeht, gehören solche Veranstaltungen zwangsläufig bald der Vergangenheit an…

Wow! Am 03. Juni 2014 standen 70(!) Fahrzeuge am Start in Rubiera. Es hatte sich also herumgesprochen, welch einmalige Kombination aus Rundstrecke, Wertungsprüfungen, Competition, Regularity und italienischer „modi de vivere“ man bei der Modena Cento Ore erleben kann.
Die Internationalität der Teams war erstaunlich: Großbritannien, die Schweiz und Deutschland waren stark vertreten, aber auch französische, amerikanische, finnische, spanische und viele andere Crews fanden den Weg in die Toskana. Eine Armada Porsche 911 (kein 356er!) sah sich einem illustren Feld aus Ferraris 250 SWB, 275 GTB, Jaguar XK120 und Jaguar E-Type gegenüber. Doch das war noch nicht alles: aus diesem erlesenen Starterfeld ragten der Alfa Romeo Tipo 33/2 Daytona von K. Frers, der Alfa Romeo 8C 2300 Zagato von S. Halusa sowie der seltene Jaguar XK120C Barou von W. Techel heraus.

Mit unserem Jaguar XK 120 OTS waren wir auf dem ältesten Fahrzeug in der Competition Class unterwegs! Aber wir wollten hauptsächlich Spaß, obgleich die erstmals in diesem Jahr eingeführte Indexwertung den älteren Fahrzeugen Chancen einräumte, im Ranking „aufzusteigen“. Schau’n wir mal!
Zu unserer Überraschung trafen wir bei der Technischen Abnahme auf eine alten Bekannten, der sich in der Oldtimer Szene eigentlich recht rar macht: Clemens Schickentanz, Europameister der GT Klasse 1973 und mehrfacher Le Mans Teilnehmer auf Kremer Porsche. Es spricht für die Veranstaltung, dass auch ex Profis sich von der Modena Cento Ore angezogen werden. Clemens war mit Uwe Heusel auf einer schön aufgebauten (und wie sich im Laufe der Veranstaltung herausstellen sollte, sauschnellen) AR Gulietta Sprint in der Regularity (!) Klasse gemeldet.

Die 1. Etappe führte über die ersten abgesperrten Wertungsprüfungen über Imola nach Florenz.
Über dem Circuit von Imola war kurz vor unserer Ankunft ein heftiger Regenschauer nieder gegangen. Für die semi–professionell auftretenden Teams blieb Zeit, um auf Regenreifen zu wechseln! Wir holten nur kurz unseren Regenschirm aus dem Kofferraum, um in der Startaufstellung nicht zu nass zu werden!
Mit dem XK120 kam ich mir im Vergleich zu einigen Fahrzeugen wie eine Telefonzelle vor! der Porsche Carrera RSR und ein Ford Escort RS 1600 (ex Werkswagen) überrundeten innerhalb des 10 Runden Rennens einen Großteil des Feldes zwei Mal! Aber Speed hat auch einen Preis: kurz nachdem der Escort zum zweiten Mal an mir vorbeigeschossen kam – außen in einer Linkskurve kurz vor Start und Ziel - setzte der Motor Geschwindigkeit in Rauch und Flammen um! Der erste Ausfall von vielen; fast 30% aller Autos in der Wettbewerbsklasse sollten das Ziel in Modena nicht mit eigener Kraft erreichen.

Nach der fast nächtlichen Ankunft in Florenz in dem schönsten Parc Fermé, den ich kenne, der Piazza Ognissanti, haben wir zwei Erkenntnisse verinnerlicht: 1. “To finish first, you first have to finish” gilt auch für die Modena Cento Ore und
2. Auf den Rundstrecken müssen wir den Rückspiegel sauber halten!

Der folgende Tag schien der Landschaft des Chianti gewidmet zu sein! Toskana at its best!
Die 4 Wertungsprüfungen auf den kurvigen Bergpassagen waren für den schweren Jaguar ok – aber in unserer Klasse war die Lancia Aurelia von Kennedy / Kennedy aus England immer ein wenig schneller. Den Papieren nach zu urteilen müsste der Wagen schlagbar sein. Sollte es am Jaguarfahrer liegen??
Auf der Sonderprüfung La Panca wurde uns ein Zettel in das Auto gereicht: Unfall bei Kilometer 3.0. Die Überraschung kam schon früher: nur wenige Kurven nach dem Start war der unmittelbar vor uns gestartete Alfa Romeo Gulia Sprint GTA von Hulsa / Hulsa rückwärts in eine Baumguppe geschlagen. Aus dem Augenwinkel sahen wir, die Fahrer waren ok. Das Auto stellte sich am Abend als Totalschaden heraus. Bei Kilometer 3.0 war nichts! Aber 300 Meter weiter klemmte der Marcos 1800 GT von A. Bertini / A. Cunnigton unter der Leitplanke. Kurz nach uns erreichten sie mit zerfetzter Karosserie das Ziel. Das „Monocoque“ aus Sperrholz war nicht verformt!

Am nächsten Morgen begleitete uns eine Polizeieskorte! zu dem 50 km entfernten Kurs von Mugello – mittendrin der bandagierte Marcos 1800 GT.
Die Rückspiegel wurden eingestellt! Heute wollte ich doch mal sehen, ob die Lancia Aurelia, die am Vortag einige Male schneller war als unser Jaguar, doch noch zu knacken war. Am Start stand der Lancia direkt vor dem Jaguar! Zumindest vor ersten Kurve müsste der Jaguar vorbei sein!
Weit gefehlt! Auf der 600 – 800 m langen Geraden bis zur Kurve hat der Lancia mir schon 30 – 40 m abgenommen! Gut, der Wagen ist >200 kg leichter, sollte aber deutlich weniger als die 200 PS haben, die den Jaguar antreiben. Oder?
Damit waren unsere Ziele gesetzt: an den Ferraris 250 SWBs und Jaguar E-Type Semi Lightweights kamen wir eh’ nicht vorbei; am Lancia könnten wir es auf den Wertungsprüfungen immer wieder mal versuchen – die Chancen in den Bergen waren aber eher gering. Also, hieß es jetzt: auf Ankommen und für die Indexwertung fahren!
Zum letzten Night Stopp traf man sich in Forte dei Mami am Tyrrhenischen Meer in einer Lounge direkt am Strand – die Italiener haben wirklich Stil!

Wieder ging es am nächsten Morgen unter „Polizeischutz“ und unter Missachtung einiger, auch in Italien einschlägigen Verkehrsvorschriften (man wurde aber auch von der Carabinieri getrieben!) zum Start der 1. Wertungsprüfung des Tages „Careggine“.
Wir starteten als letztes Fahrzeug der Competition Gruppe, d.h. ein Polizeiwagen mit Blaulicht folgte uns durch die Wertungsprüfung! Beide hatten wir Ehrgeiz: der Polizist am Steuer wollte direkt hinter mir bleiben und ich wollte ihn so weit wie möglich hinter mir lassen! Ergebnis: wir nahmen auf dieser Prüfung dem Lancia über 5 Sekunden ab!
Nur noch zwei Sonderprüfungen bis Modena! Wir stellten uns schon auf die längste Wertungsprüfung der Veranstaltung am Nachmittag, die 13 km lange „Castello di Campinetti“, ein. Da wollten wir noch einmal das schnelle Fahren durch kurvige Bergstrassen in einer wunderschönen Landschaft bei herrlichem Sonnenschein genießen!
Es sollte ganz anders kommen!
Nach der Mittagspause in Ligonchio, wir wollten gerade wieder ins Auto steigen, verbreitete sich das Gerücht, es hätte einen Unfall gegeben, der Fahrer sei tot! In einem Fahrer Briefing erhielten wir kurz danach die Bestätigung: der Fahrer des Marcos 1800 GT, A. Bertini hatte auf der Fahrt zum Mittagessen, lange nach der Wertungsprüfung, eine Haarnadelkurve zu schnell angefahren, er schoss über die Kurve hinaus in einen Abhang. Er war nicht angeschnallt – sein Beifahrer wurde vom Sicherheitsgurt gehalten und blieb unverletzt!

Die Modena Cento Ore 2014 hatte keinen Zieleinlauf in Modena – sie wurde unmittelbar nach Bekanntwerden des Unfalls abgebrochen.

Ein tragisches Ende einer Veranstaltung, die so wunderbar begann und zu einer der schönsten in der 14-jährigen Geschichte dieser Tour Auto in Italien hätte werden können.

Wolfgang Kurth

Kommentieren Sie diesen Artikel.


Volltextsuche

Ihre Suche

Events

Charity-Ausfahrt am 05.05.2018

05.05.2018, Steigenberger Grandhotel Petersberg, Königswinter

zum Seitenanfangzum Seitenanfang