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08.07.2013

Neustart für Mirbach

Dr. Bernd Pischetsrieder neuer Mehrheitseigentümer

Dr. Ing. h.c. Bernd Pischetsrieder, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von BMW, danach von VW, hat 65% der Unternehmensanteile an der C.F. Mirbach GmbH & Co. KG übernommen. Dass einer der ganz Großen der Automobilbranche sich in der Oldtimerbranche engagiert ist sicherlich ein klares Zeichen dafür, welch positive Zukunftschancen und welch bedeutendes Potenzial bei den klassischen Fahrzeugen noch erwartet werden können.

Das rasante Wachstum der Fa. Mirbach einschließlich des Bezugs der imposanten Immobilie Gut Hitzelsberg am Chiemsee schien zunächst plausibel, nachdem bekannt geworden war, dass der inzwischen verstorbene, Münchner Industrielle Stefan Schörghuber dem Hause Mirbach sehr freundschaftlich verbunden und das Unternehmen auch ansonsten sehr erfolgreich war. Nach Angaben eines früheren Mirbach-Geschäftsführers hat Schörghuber die Fa. Mirbach aber nie wirtschaftlich unterstützt, Hitzelsberg sei vielmehr vom Geschäftsführer als Privatmann redlich erworben worden.

Nach Darstellung des damaligen Geschäftsführers war es der Wunsch Schörghubers, den Kauf von mehreren Mercedes-Benz 770 aus der NS-Zeit, die von einem Museum in Las Vegas angeboten wurden, über Schörghubers Vermögensverwaltung in Chur in der Schweiz abzuwickeln. Dies sei angeblich "nur aus optischen Gründen" so gehandhabt worden. Dennoch standen die Hitler-770er kurze Zeit später bei Mirbach auf Gut Hitzelsberg, was zur Einleitung eines Strafverfahrens wegen Verstößen eggen die Abgabenverordnung führte.

Gut Hitzelsberg kam anschließend unter den Hammer, und auch mit der C.F. Mirbach GmbH & Co. KG wäre es fast zu Ende gegangen. Dann fand sich aber in Unternehmensberater Dr. Michael Mandat mit seiner Progenium ein Retter, der Mirbach übernahm, weil wohl das Potenzial der im Oldtimerbereich bedeutenden Handelsmarke erkannt worden war. In aller Ruhe und Stille suchte er nach einem neuen Hauptgesellschafter und Finanzier, den er nun in dem Mirbach-Stammkunden Dr. Pischetsrieder fand. Mandat übertrug Pischestsrieder 65% der Unternehmensanteile. Weitere 5% gingen an Mathias Leitner, der künftig als weiterer Geschäftsführer neben Harald Henninger das operative Geschäft des Hauses Mirbach verantwortet.

Mit der Neuordnung der Gesellschaft(er) wurde auch der Mirbach-Sitz von einem Bauernhaus in Riedering am Chiemsee, das als Interims-Lösung diente, nach Anzing bei München in die Räume des Edelmarken-Händlers Schuttenbach Automobile verlegt. Sie gehört ebenfalls Dr. Pischetsrieder, der dort zuweilen im früheren Chef-Büro von Auto-König (nomen est omen!) sitzt. Ende Juni konnte Pischetsrieder an einem Eröffnungswochenende viele Interessierte begrüßen und mit ihnen den Neuanfang der C.F. Mirbach GmbH & Co. KG feiern.

Pischetsrieder hat Oldtimerblut in den Adern. Immerhin ist er ein Enkel des "Mini"-Konstrukteurs Sir Alec Issigonis. Klingelt es nun, warum BMW sich unter Pischetsrieder den Mini einverleibt hat??? Er hat selbst viele Oldtimer besessen und gefahren, dabei allerdings auch schon mal einen McLaren F1 im Wert von 1,5 Mio. DM im Chiemgau zu Schrott gefahren. Vielfältige Erfahrungen mit Oldtimern kann man Pischetsrieder also nicht absprechen. An einem Tag in der Woche baut er diese nun aus, indem er sich um die weiteren Geschicke der C.F. Mirbach GmbH & Co. KG kümmert. Den "Rest der Zeit" verbringt er mit seinen Aufgaben als Ausichtsratsvorsitzender der Münchner Rück oder als frisch gebackener Winzer für Weine aus der südlichen Steiermark.

So bleibt zu hoffen, aber auch zu erwarten, dass der Name Mirbach bald wieder mit der altbekannten Seriösität verbunden wird, auf die man in den Gründerzeiten unter dem alt-ehrwürdigen, hanseatischen Claus F. Mirbach in Hamburg vertrauen konnte. Daran arbeitet allerdings auch der ursprüngliche Gründer selbst, der nach dem „Crash“ die Fa. "claus mirbach feine mobile GmbH" in Hamburg gegründet hat, die -wen wundert's- ebenfalls mit Oldtimern handelt. Claus F. Mirbach schrieb uns dazu: "Bereits seit Mai 2010 beschäftigen wir uns wieder damit, werthaltige Oldtimer zu vernünftigen Preisen in Hamburg national und international anzubieten und auch zu verkaufen. Ob große Namen und Doktortitel auch Erfolg in einem besonderen Markt bedeuten? Unsere Kunden sehen das kritisch."

Foto: Mirbach, Anzing. Weitere Informationen unter www.mirbach.de

Gert Meyer-Jüres

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