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08.11.2013

Pit Stop in Terra di Ferrari

Ferrari Museen in Modena und Maranello

Wer vor dem Start der Mille MIglia in Brescia oder nach einem Opernbesuch in Verona ein wenig Zeit hat oder einfach nur auf der Durchfahrt in die Toskana ist, sollte das Museo Casa Enzo Ferrari und das Museo Ferrari in Maranello in seine Reiseplanung aufnehmen. Wolfgang Kurth hat es getan und einen Bericht für uns geschrieben:

Ist es Zufall? Die Straßen „Via Arturo Toscanini“, „Via Antonia Vivaldi“, „Via Giacomo Puccini” und „Via Paolo Ferrari” liegen so eng beieinander, dass man schon den Eindruck gewinnt: hier war das Ordnungskriterium der Namensgeber die italienische Hochkultur! Mittendrin, an der „Via Paolo Ferrari“, liegt das Museo Casa Enzo Ferrari http://www.museocasaenzoferrari.it/ , daneben die Trattorias „Cavallino“, „Ferrari“ oder einfach nur „Pit Stop“ – hier lebt man Motorsport, und das ist nun einmal Ferrari – zumindest in Italien!

Es ist eine spannungsreiche Kombination, die den Besucher empfängt: hier das Geburtshaus Enzo Ferraris und direkt daneben die futuristische Ausstellungskathedrale, die an den Kühler und die Motorhaube eines Ferrari 166 Inter erinnert. Es lohnt sich, den Besuch in dem früheren Hinterhof der Schlosserei, unter dem Schild „Officina Meccanica Alfredo Ferrari“ mit einem Espresso zu beginnen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Vielleicht hat Enzo gerade in diesem Hinterhof der Werkstatt seines Vaters an seinen ersten Autos geschraubt! Das scheint zumindest gerade eine rot becapter Familienvater seinem 6 Jahre alten Sohn in Ferrari Overall zu erklären. Wenn man sich umschaut, ist der Besuch des Museums wohl Bestandteil des italienischen Bildungsprogramms, nur wenige Museen ziehen so viele Familien an.

In diesem Gebäude lässt eine Multimedia Show mit alten Filmaufnahmen und tausenden Fotos den Besucher in das Leben Enzo Ferraris eintauchen. Die moderne Galerie nebenan präsentiert Formelfahrzeuge aus allen Epochen des Motorsports. Auch wenn die Boliden als Solitäre positioniert sind, erkennt man immer den weiteren Zusammenhang mit Fahrern oder zu einzelnen Grand Prix Strecken. Der hohe Anteil von mit roten Ferrari - Hemden, -kappen und –jacken ausgestatteten Aficinados unter den Museumsbesuchern ist ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommen soll!

Im Umfeld von vielleicht 100 Metern um die Museen von deutschen Automobilherstellern lässt nichts auf ihre Existenz schließen: keine Kioske oder Kneipen mit klangvollen Namen, wie „Zum Stern“ oder „Bei Porsche“, keine auswärtigen Reisebusse, gefüllt mit in Fankleidung gewandeten Besuchern, die Parkplätze blockieren. Das Merchandising beschränkt sich auf das Museum selbst! Vergessen Sie alles, wenn Sie nach Maranello kommen!

An einem frühen Nachmittag sieht man so viele Ferrari Modelle wie nirgends im normalen Straßenverkehr rund um das Fabrikgelände herum – eine derartige Ferraridichte findet man sonst wohl nur auf der Motorshow in Dubai! Alle Modellreihen sind vertreten! Die Wagen kommen von Testfahrten aus der Emilia Romagna zurück – keiner der Fahrer sieht unglücklich aus!

Schon weit vor dem Fabrikgelände hat man den Eindruck auf dem Weg zu einem F1 GP in Monza zu sein: Busladungen voll rotgekleideten Ferraristi quälen sich durch die engen Zufahrtstrassen zum Ferrari Tempel, vorbei an Trauben von glücklichen Fans, die ihre Einkäufe vor den zahlreichen „Ufficiale Ferrari Store“ wie Trophäen präsentieren. Viele sitzen erschöpft in Bars, deren Namen keinen Zweifel daran lassen, wo man sich befindet: „Forza Rossa“, „Cavallino“, Cavallino Rampante“ und und… Japanische Besuchergruppen scheinen jede Olive auf der Pizza „Enzo“ oder dem Salat „Fiorano“ fotografieren zu wollen!

Erstaunlich groß ist die Anzahl kleinerer (man würde sagen wollen: „Hinterhofgaragen“) im weiteren Einzugsgebiet des Museums. Angesichts der vor den Einfahrten parkenden Autos, nahezu ausschließlich Ferraris und Maseratis, verkneift man sich solche abwertende Einschätzung jedoch ganz schnell! An der „Viale Alfredo Dino Ferrari“ steht das erste Hinweisschild auf die Teststrecke Circuit Fiorano, vorbei an der „Via Ascari“ und abgebogen in die „Via Villeneuve Gilles“ geht es direkt auf die Strecke – wenn man denn durch das Gittertor und an dem Wächter vorbeikommt!

Im Vergleich zum „Museo Casa Enzo Ferrari“bietet das „Museo Ferrari“ http://museo.ferrari.com/it/ bis zu 300.000 Besuchern Einblicke in die heutige Zeit des Automobilsports. Wie Skulpturen sind die F1 Wagen der letzten Dekaden arrangiert und illuminiert – großes Kino! Apropos Kino: Die Verwendung von Ferraris in Spielfilmen der letzten 50 Jahre wird anhand der passenden Sequenzen eindrucksvoll belegt (z.B. Mondial T Cabrio in „Der Duft der Frauen“ mit Al Pacino oder der 275 GTB/4S N.A.R.T. Spider von Steve McQueen in „The Thomas Crown Affaire“).

An einer nachempfundenen Boxenmauer kann man sich in die Position von Stefano Domenicali versetzen. Über die zahlreichen Monitoren hinweg blickt man auf Rennszenen aus dem GP von Monaco und ist fasziniert von der Umsetzung des Bildes in die Graphen für Gaspedalstellung, Querbeschleunigung, Drehzahl und und.. Mit etwas Abstand, wenn man sich von der Faszination, die die Marke Ferrari, besonders in diesen Museen ausübt, wieder gelöst hat, kommt man zu dem Schluss: wenn man schon in dieser Ferrari-verrückten Region Italiens ein, zwei Tage Zeit hat, sollte man sich der vollen Dröhnung unterziehen, d.h. nach einem Besuch des „Museo Casa Enzo Ferrari“ per Shuttle zur Fabrik, zum „Museo Ferrari“ und über den Circuit Fiorano – leider nur im Bus!

Aber, wem das nicht reicht, sei zur Erholung das Hotel Maranello Palace http://www.maranellopalace.com empfohlen; es liegt in direkter Nähe zum Ferrari Museum und zur Fabrik. Es ist unverkennbar DAS Hotel für Ferrari Fahrer von Villeneuve über Schuhmacher bis zu Alonso!

Zum Abendessen lohnt es sich, weiter den Spuren großer Ferrarifahrer zu folgen: im „Mamma Rossella“ (Ristorante Monatana) http://www.ristorantemontana.it hat schon Schumacher in der Küche gestanden und wie viele seiner Kollegen auch seinen Rennoverall im Gastraum „vergessen“. Vom Essen und vom Ambiente her ist es ein Lokal, in dem er sicher oft mit seinen Mechanikern unterwegs war: eine bodenständige, sehr gute Küche in rustikaler Umgebung.

Mit Willi Weber wird Schumacher sicher eher im „Ristorante Cavallino“ http://www.ristorante-cavallino.it/ gewesen sein, die Küche und die Gasträume sind ungleich eleganter, Skulpturen, Gemälde und Fotos lassen aber kein Zweifel daran, dass es sich hier um eine weitere Ferrari Kantine handelt.

Sollte man allerdings Modena in weiblicher Begleitung besucht haben, der sich die tiefere Bedeutung der These „ Hubraum ist wichtiger als Wohnraum“ noch nicht ganz erschlossen hat, empfiehlt sich ein Kontrastprogramm. In Reggio Emilia, 30 km von Modena entfern, ist das Hotel „Albergo Notarie“ http://www.albergonotarie.it/ eine echte Alternative zum Maranello Palace. Will man dann auch noch dokumentieren, dass einem die Begleitung wichtiger ist als eine Ansammlung historischer F1 oder GT Fahrzeuge, lässt man den Abend besser nicht in irgendeine Ferrari Trattoria ausklingen, sondern sucht den Weg ins „Ristorante Ca‘ Matilde“ http://www.camatilde.it/. Das Essen ist unverkennbar italienisch, passt aber in jedes Sternelokal in Paris oder New York. Die Weine sind überwiegend lokalen Ursprungs, aber offensichtlich ausschließlich dem heimischen Genuss vorbehalten.

Will man nach so einem Abend am nächsten Morgen wieder Bodenhaftung gewinnen, sollte man den nächsten Trip ins „Terra di Ferrari“ am Besten in der „Trattoria La Morina“ http://www.trattorialamorina.com/ planen. Hier ist gutes, sehr gutes Essen ehrlich und nicht abgehoben, ein wenig so, wie mir Ferrari in und um Maranello vorkam: ein Spitzenprodukt der Automobiltechnik, aufgeladen voller Emotionen, aber ganz offensichtlich mit sehr guter Bindung an die Region um Modena und Maranello und ihren Bewohnern sowie natürlich zu seinen vielen, vielen Fans überall auf der Welt.

Wolfgang Kurth

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