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25.06.2010

Rund um den Gardasee

Der wunderschöne Gardasee im Norden Italiens ist dieses Mal das Ziel unserer Reise. Die vergangene Nacht haben wir im Grand Hotel zu Gardone auf der Westseite des Sees verbracht. Früh am Morgen brechen wir von dort aus zu unserer Zweitagestour rund um den Gardasee auf. Entlang der Küstenstraße führt uns die erst Etappe über Salo nach Cunettone. Die Straße wird sich nicht immer direkt an das Ufer des Lago di Garda halten, so dass auch Abstecher ins mediterrane Hinterland der Poebene die Fahrt bereichern werden.

Cunettone liegt am südlichen Ufer des größten italienischen Sees. Hier im Süden grenzt flaches, sanftes Wiesenland an den Gardasee an. Auf dem Weg nach Cunetone schlängelt sich die Straße durch eine Landschaft aus Feldern und Wiesen, die immer wieder kleineren Orten und Ansiedlungen Platz machen. Rustikale Bauernhäuser und alte Villen mit weitläufigen Olivenhainen säumen unsere Fahrt. Der Blick über die flache Ebene bildet einen interessanten Kontrast zum nördlichen Ufer des Gardasees, an welchem die Gipfel der Alpen über 2000 Meter in den Himmel ragen. Nur das Wasser des Lago di Garda scheint das Eis und den Schnee der Berge vom mediterranen Treiben hier unten zu trennen.

Peschiera del Garda – Stadt der Inseln

Von Cunettone aus fahren wir gut 70 km um den See herum auf die Ostseite. Unser Augenmerk fällt dabei besonders auf die Ortschaft Peschiera del Garda. Das Zentrum dieses kleinen Ortes befindet sich auf drei kleinen Inseln, die größtenteils von antiken Festungsanlagen eingerahmt sind. Die schmalen Wasserstrassen zwischen dem Festland und den Inseln sowie die geschäftigen, engen Gässchen der historischen Altstadt fügen sich zu einem romantischen Gesamtbild zusammen und lassen uns für eine kurze Pause hier verweilen. Wir parken auf dem Festland, überqueren eine der Brücken und schlendern ein wenig durch Peschiera del Garda. Dabei sind neben typisch italienischen Cafés auch kleine Geschäfte die Entdeckung des Tages.

Wieder im Auto fahren wir über Ronchi und Lazise weiter auf unserer Route und erreichen nach ungefähr 40 km Malcesine, wo wir den restlichen Tag verbringen und übernachten möchten.

Auf Goethes Spuren in Malcesine

Kaum haben wir unser Gefährt verlassen, rauscht schon die erste kleine Gruppe von Mountainbikern an uns vorbei. Malcesine ist bei Sportlern rund um den Gardasee sehr beliebt. Mit den Bikern verbindet uns unser erstes Ziel, der Monte Baldo. Im Gegensatz zu ihnen lassen wir unsere fahrbaren Untersätze jedoch unten stehen und machen uns mit der Seilbahn auf den Weg zum Gipfel des höchsten Berges am Largo di Garda. Die Gondel gleitet über farbenfrohe Hänge. Der Monte Baldo gilt als Europas größter botanischer Garten. Seine Flora bietet über 600 verschiedene Pflanzenarten. Oben auf dem Gipfel befinden wir uns auf über 2000 Meter und können einen atemberaubenden Ausblick über den Gardasee genießen. Zahlreiche Wanderwege, die zu Rundgängen einladen, und die herrlich klare Bergluft lässt uns einige Stunden dort oben verweilen. Mit der Gondel schweben wir dann schließlich wieder in das dämmernde Tal mit dem glitzernden Gardasee ein. Da wir die Nacht in Malcesine verbringen werden, müssen wir uns nicht lange Gedanken über ein Restaurant machen – stattdessen werden wir in unserem Hotel, dem Val di Sogno, die Fisch-Grillplatte genießen.

Den zweiten Tag unserer Rundfahrt starten wir mit einem Besuch im Castello Scaligero zu Malcesine. Das Castello Scaligero, die alte Burg der Skaliger, steht auf einem Felsvorsprung direkt am Ufer des Sees. In den alten Gemäuern wandeln wir auch auf Goethes Spuren. Der Dichterfürst hätte beinahe auch die zweifelhafte Bekanntschaft mit dem Verließ der alten Burg gemacht. 1786 machte Goethe während seiner berühmten Italienreise auch in Malcesine Station. Der Dichter stand unter Spionageverdacht, da er fasziniert vom Flair des Castello Scaligero seinen Zeichenblock zückte. Ungeachtet dessen war Goethe dennoch von Malcesine und seinen Bewohnern angetan, und so erinnert eine Büste in der Skaligerburg bis heute an seinen Besuch. Außerdem befindet sich im Inneren der Burg das Museum del Monte Baldo, das uns interessante Einzelheiten zu den botanischen Raritäten erläutert, die wir gestern an den Berghängen kennengelernt haben.

Verwinkelte Fahrt durch Tunnel und Schluchten

Auf den ersten Kilometern verläuft die Straße unmittelbar neben der Küste und bietet einen tollen Blick auf den Strand, den See und vereinzelte Häfen. Doch schon bald erhalten wir einen Vorgeschmack auf das Tunnelsystem, welches uns insbesondere auf der anderen Seeseite begegnen wird. Zwischenräume erlauben immer wieder den Blick auf den See, doch mehr und mehr verläuft die Straße nun im Inneren des Gebirges. An der Kopfseite des Sees erwartet uns in Nago Torbole und Riva del Garda wieder geschäftiges Treiben, doch abgesehen von einem Espresso lassen wir uns nicht lange aufhalten, da wir sehr gespannt auf die Brasa-Schlucht bei Tremosine sind.

Dort angelangt verstehen wir schnell, warum so viele Autofahrer mit größtem Respekt von dieser Straße sprechen. Eng und verwinkelt präsentiert sie sich uns und begeistert dabei gleichermaßen mit ihrer melancholischen Schönheit. Über Tignale erreichen wir anschließend wieder das Ufer, um nach 15 km bei Gargnano einen erneuten Abstecher ins Landesinnere zu machen. Dieser führt uns gar an den idyllisch gelegenen Alpensee Lago d’Idro, dessen Ufer zu einer ausgiebigen Rast einladen.

Am Abend fahren wir dann wieder über Salo in unser Hotel nach Gardone und kommen dort etwas müde, aber sehr zufrieden und hungrig an. Zum Abschluss genießen wir noch einmal die lokalen Fischspezialitäten und lassen den Abend bei einem guten Glas Wein ausklingen.

Fazit: Die Rundfahrt rund um den schönsten See Italiens war ein Erlebnis für Genießer. Mit allen Sinne nimmt man während der Fahrt Gerüche, Farben und Vielfalt der mediterranen Region wahr. Die Verbindung von flacher Ebene und Hochgebirge macht die Tour zu einer reizvollen und abwechslungsreichen Fahrt. Besonders die Luft oben auf dem Monte Baldo und der Duft seiner unzähligen Pflanzen und Kräuterarten wird noch lange in Erinnerung bleiben. Etwas mehr als 250 km haben wir an zwei Tagen zurückgelegt, und manchmal war leider nicht genug Zeit, um noch länger verweilen zu können. Liebhabern von Natur und gutem Essen ist diese Rundfahrt ganz besonders ans Herz zu legen. Vor allem dann, wenn man noch mehr Zeit als zwei Tage im Reisegepäck hat.

Ihre Tour auf einen Blick:

Michael Wahl

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