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05.02.2010

Von Krise keine Spur ...

Oldies und Liebhaberwagen

Eigentlich mag der Leser schon gar nicht mehr den Wirtschaftsteil der Zeitungen aufschlagen – immer wieder fällt sein Blick auf das Wort Krise. Ob zu recht oder auch nicht, mag dahingestellt sein, Tatsache ist: mehr Arbeitslose bedeutet automatisch weniger Geld im Wirtschaftskreislauf. In der einen oder anderen Weise muss sich das auf die Wirtschaft auswirken. Aber gilt das überall und für alle Branchen? Betrifft das auch die Geschäfte rund um die Klassiker und Liebhaberwagen?

Man kann für diese Branche getrost Entwarnung geben, denn was den Oldtimermarkt angeht, ist die Nachfrage nach Liebhaberfahrzeugen ungebrochen. Nach wie vor trifft es zu: Wer ein echter Oldtimer-Enthusiast ist, holt für sein automobiles Hobby auch ohne Zögern die letzten Talerchen aus dem Portemonnaie.

Wir haben uns in der Szene umgehört. Können die einzelnen Oldie-Sparten die Marktlage bestätigen?

Wie sieht es beispielsweise mit dem Import an der Klassiker-Front aus: Wir befragten Dieter Thiel von uscars24.de, ein in Wuppertal ansässiger Importeur, der sich seit Jahren erfolgreich mit dem Import, der Umrüstung und Restauration von Liebhaberfahrzeugen aus den USA beschäftigt. Die Antwort fiel durchweg positiv aus. Er könne einen Anstieg seiner Import-Aufträge um gut 60 Prozent verbuchen. Auch wenn diese Entwicklung nicht bei jedem Importeur zu verzeichnen sei, erhebliche Einbußen habe wohl kaum jemand aus der Branche erlitten. Leichte Rückgänge seien zwar die Regel, aber – so unisono auch andere Importeure – sie seien bei weitem nicht existenzbedrohend.

Nur geringer Umsatzeinbruch

Diese Aussage konnte auch Uwe Jablonski von der Spedition Car Container Shipping in Ramstein bekräftigen. Während das Transportvolumen an Neuwagen bedenklicherweise weltweit um über 50 Prozent eingebrochen sei, konnte sich die Stückzahl der transportierten Oldies und Liebhaberfahrzeuge gegenüber vor zwei, drei Jahren durchaus halten. Damit sind die Oldtimer wiederum die Gewinner.

Auch die Restauration von Klassikern und Liebhaberfahrzeugen erfreut sich wie schon seit Jahren ungebrochenen Interesses. Kein versierter Restaurator muss wegen der weltweiten Wirtschaftskrise vorzeitig die Schraubenschlüssel in die Ecke legen. Viele Klassiker-Kliniken, die sich auch mit Fahrzeugen mit Herstellungsjahr 1975 bis 1980 beschäftigen, verzeichnen sogar Zuwächse. Grund hierfür dürfte sein, dass Fahrzeuge mit Baujahr 1979 und älter mit einer H-Nummer versehen werden können und somit einen preiswerten und auch begehrten Einstieg in die Liebhaber-Szene darstellen.

Auch der lukrative Handel mit Liebhaberfahrzeugen kann sich nicht über eine Umsatzflaute beklagen. „Im höherwertigen Segment“, so Herr Bratke von Bratke Exclusive Cars, mit Firmensitz in Düsseldorf und Trier „haben wir keine Einbußen zu verzeichnen. Viele Leute, die von ihren Banken um ihre Einlagen geprellt worden sind, legen ihr Geld jetzt lieber in einen Oldie an. Wahrscheinlich erfährt er eine Wertsteigerung, aber bestimmt bleiben die Preise stabil – so oder ähnlich ist die Überlegung vieler.“ Ansonsten lässt sich sagen, dass in der mittleren Preisklasse allenfalls ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, dafür boomt jedoch der Markt mit Fahrzeugen, die Ende der 70er und Anfang der 80er auf den Markt kamen. Für Fahrzeuge dieser Jahrgänge hält das Interesse unvermindert an.

Glänzende Aussichten

Wir sehen, die Klassiker-Szene lässt sich nicht wirklich durch eine Krise beeindrucken. Sie schippert gemächlich auf der Welle der immer größer werdenden Beliebtheit von Klassikern dahin, daher sehen Experten keinerlei Gefahrenpotential für diese Branche mit all ihren Segmenten. Noch immer nimmt der Trend zur Individualität im Bereich der Mobilität zu. Mit Grausen wendet sich der Klassiker-Fan von den heutigen Neufahrzeugen ab. Für ihn sind das bestenfalls seelenlose fahrbare Untersätze, die keinerlei Leben in sich bergen und darüber hinaus alle gleich aussehen. Kollege Windkanal lässt grüßen. Außerdem sind die Neufahrzeuge mit immer mehr Elektronik ausgestattet – der Fahrspaß bleibt aus. Nicht zu vergessen der Schrauberspaß, ein echter Mann schraubt eben gerne, Elektronik ist dann doch eher etwas ohne das rechte Feeling für Motoröl und rostige Schrauben – aber dafür komfortabler. Um endlich wieder Genuss am Fahren zu haben, kommen viele auf den Gedanken, sich einen Klassiker als Ausgleich für ausgebliebene Fahrfreude zu beschaffen. Immerhin gibt es für jeden Geldbeutel und für jeden Geschmack irgendein Auto, dass passt. Wem das noch kein ausreichender Grund ist, sieht den Oldie als Geldanlage an. Viele kündigen ihre Fonds oder Aktienpakete und legen sich als Rentenabsicherung einen Oldie zu.

Fazit: Die (relative) finanzielle Sicherheit, in Verbindung mit dem besonderen Flair des automobilen Klassikers und dem Spaß am Schrauben in der heimischen Garage, werden dem Oldtimer hierzulande noch ein langes Leben bescheiden.

Norbert Albrecht

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